27.05. - 02.07.2015

Bis 27. August nach Vereinbarung geöffnet

Until august 27th open by appointment

Cristina Spoerri: Hommage

Bilder aus fünf Jahrzehnten

   

 

Monografie:

Isabel Zürcher:
CRISTINA SPOERRI DER BEWEGTE RAUM
Hrsg. Cristina Spoerri-Stiftung
Christoph Merian Verlag, Basel
104 Seiten, mit zahlreichen Abbildungen

 
  Ohne Titel (1965)
Acryl auf Jute, 145 × 130 cm

 
       
 

Ohne Titel (1976)
Acryl auf Leinwand, 125 × 125 cm

Ohne Titel (1976)
Acryl und Kohle auf Baumwolle, 120 × 100 cm
   
         
 

Ohne Titel (1984)
Acryl, Kohle, Lasur auf Baumwolle, 190 × 240 cm


   
       
 

Ohne Titel (1976)
Acryl und Mischtechnik auf Leinwand, 190 × 130 cm

 
     
  Ohne Titel (1990)
Acryl und Kohle auf Baumwolle, 240 × 190 cm
Ohne Titel (1990)
Acryl und Kohle auf Baumwolle, 135 × 105 cm
   
 

 

     
  Zeichen (1991)
Acryl und Kohle auf Leinwand, 200 × 125 cm

     
     
  Ohne Titel (2000)
Acryl und Kohle auf Baumwolle, 240 × 190 cm
Ohne Titel (2000)
Acryl und Kohle auf Leinwand, 170 × 135 cm
   
       
 

Zeichenbild (um 2004)
Acryl und Kohle auf Leinwand, 150 × 135 cm

     
  Cristina Spoerri bezeichnete sich selbst stets als Malerin. Das trifft allerdings nur die eine Seite ihres künstlerischen Ausdrucks, sind doch ihre Leinwände (sie arbeitete nur selten auf Papier) zumindest ebenso sehr geprägt vom Zeichnen wie vom Malen. Und im Fortschreiten ihrer Bildentwicklungen über die Jahre drängt sogar das Zeichnerische deutlicher und deutlicher in den Vordergrund.

In der Zeit ihrer Ausbildung zu Beginn der 1950iger Jahre an der Zürcher Kunstgewebeschule (heute: Hochschule der Künste) sind Otto Morach und Johannes Itten als Lehrer prägend; noch deutlich der Figuration verpflichtet der eine, der andere mit Untersuchungen zur Farbe befasst und seltener dem Narrativen verbunden. Doch zweifellos verstehen sich beide als Maler im ganz eigentlichen Sinne. In den folgenden Jahren malt die junge Künstlerin Bilder, die deutliche Einflüsse ihrer Lehrer zeigen. Natürlich beschäftigt sie sich auch mit den Konzepten, welche die Zürcher Konkreten um Max Bill und Richard Paul Lohse herum prägen, und setzt sich anderseits mit den Experimenten der Nouvelle Ecole de Paris und dem Tachismus auseinander.
Cristina Sprenger, wie sie mit ihrem Mädchennamen vor ihrer Heirat mit dem Architekten Bernhard Spoerri signiert, experimentiert aber auch, wie übrigens zahlreiche Künstlerinnen in jener Zeit, häufig mit textilen Materialien. Sie schliesst sich der Zürcher Künstlergruppe „Réveil“ an und zeigt in verschiedenen Ausstellungen – u.a. in der Kunsthalle, im Helmhaus - ihre Stoffbezüge, Applikationen und Wandbehänge. Sei wird beachtet, findet in der Öffentlichkeit Zustimmung wie auch Widerspruch. Die Arbeit mit textilen Medien begünstigt wohl im Formenvokabular der Künstlerin das allmähliche Reduzieren von Figuren zu Zeichen. Das wird sie später wieder aufgreifen. Leider sind von diesen frühen Arbeiten kaum mehr welche gut erhalten.

Während der ersten Jahre nach ihrem Umzug nach Basel 1957 arbeitet Cristina Spoerri in ihrer Wohnung. In jener Zeit begegnet sie in Ausstellungen der Basler Kunsthalle Arbeiten des amerikanischen Expressionismus. Unbeirrt sucht sie für sich weiter ihren Weg, findet Anschluss an die Basler Künstlerszene, erregt mit ihren neuen Bildern Aufsehen in den grossen Jahresausstellungen das Basler Kunstvereins. Nachdem sie 1965 in der ehemaligen Kaserne ein geräumiges Atelier hat einrichten können, intensiviert sie ihre Arbeit. Grossformatige Leinwände entstehen, meist in Gruppen. Geometrische Formen, frei gesetzt allemal, gelegentlich Lettern und Ziffern besetzen die Fläche, Hemisphären, Dreiecke, Rechtecke, Winkel, Balken schaffen imaginäre Räume, in denen Farben agieren, raffiniert zueinander in Relation gestellt.
Gewiss begünstigt dieser Umgang mit Farbe und Form eine Annäherung an Architektur. Im Radio-Studio Basel und einige Jahre später auf dem Friedhof „Fiechten“ in Reinach/BL bringt sie grossformatige Bildgestaltungen in den Aussenraum von Gebäuden.

Bis zur grossen Übersichtsausstellung in der Kunsthalle Basel 1989 entstehen auf grossen Leinwänden zahlreiche Untersuchungen zu immer komplexeren räumlichen Beziehungen. Eine ungeheure Sinnlichkeit geht von den Bildern aus, eine hohe Spannung zwischen Entgrenzung und Bändigung, ein stetes Herstellen von Ordnung im Chaotischen. Gelegentlich verbinden sich geometrische Elemente zu quasi-heraldischen Formen, ja zu beinahe magischen Zeichen, denen
etwas Numinoses anhaftet. Nie aber wird dieses zur Behauptung; es bleibt beim Angebot, es gegebenenfalls so zu lesen.
Cristina Spoerris Bilder lassen den Betrachtenden Freiheiten, ja sie fordern diese sogar: die Beziehungen innerhalb eines Bildes sind stets so - und im selben Moment auch anders zu sehen. Das Betrachten macht die Betrachtenden zum Teil des Bildes.

Gegen die Jahrtausendwende setzt die Künstlerin ihre Mittel sparsamer ein, die Linien (meist mit Kohle gezogen) führen das Auge, die Farbe ist oft nur Andeutung. Die Raumrätsel teilen sich leiser mit, in grosser Eleganz und mit scheinbar spielerischer Leichtigkeit sucht Cristina Spoerri zu irritieren. Dabei lässt sie einen oft an der Genese einer Komposition teilhaben: frühere Zustände des Bildes, Versuche, verworfene Linien bleiben hinter weisser Firnis andeutungsweise noch sichtbar. Man folgt der Künstlerin bei der Entwicklung des Bildes.

Cristina Spoerris unverwechselbare Formenwelt in der Zwiesprache zwischen Fläche (Malerei) und Linie (Zeichnung) hebt sie in den Rang einer ausserordentlichen Künstlerpersönlichkeit der vergangenen Jahrzehnte. Ihre Arbeiten haben deshalb in wichtige Sammlungen Eingang gefunden.

Der Künstlerin Abneigung, zu Lebzeiten Rückschau zu halten, verhinderte indes stets, dass ältere Arbeiten neben neueren gezeigt wurden.

Nun hat die Cristina Spoerri-Stiftung mit unserer Galerie zusammen es unternommen, eine Auswahl von Arbeiten aus fünf Jahrzehnten zusammenzuführen, um so Einblicke über die Entwicklung des facettenreichen und doch kohärenten Schaffens zu gewähren.
W.S.